Der Arbeitsmarkt der Zukunft

Meine Gedanken zum (Un)sinn des Gendersterns

Als ich die Tage einen Artikel gelesen habe, bei dem es um die Überlegungen eines Nachrichtensenders ging, den Genderstern duch eine kurze Pause vor dem „innen“ zu „sprechen“, konnte ich es kaum fassen. Wo bin ich hier? In einem absurden Theater? Auf einem anderen Planeten oder Stern? Dem Gender-Stern?

Wer sich mit solchen Themen beschäftigen kann, dem geht es wirklich gut. Er hat keine vordringlicheren Probleme, die für sein Überleben oder das seiner Familie von Bedeutung sind. Er kann sich Themen widmen, die auf der Bedürfnispyramide nach Maslow eher in den oberen Ebenen zu finden sind (wie Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung). Aber nun ja, von einem entfernten Standpunkt aus – wie einem anderen Stern – verliert man schon einmal den Boden aus dem Blick.

Abgehängt

Bei dieser Diskussion, um das korrekte, umfassende „Gendern“ in der geschriebenen wie der gesprochenen Sprache, drängt sich mir die Vermutung auf, dass dies vorrangig ein Thema der Bildungselite ist. Das Verständnis der Normalbürger spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle.

Mal abgesehen davon, dass viele Menschen andere Sorgen haben, als das korrekte „Gendern“ ihrer Sprache, gibt es genügend andere Menschen, für die eine Verkomplizierung der Sprache eine echte Barriere darstellt. Durch die unterschiedlichen Varianten wie z.B. den Schrägstrich zwischen der männlichen und weiblichen Form, das Binnen-I oder letztendlich den Genderstern schaffen wir Wort- und damit Satzkonstruktionen, die sich vom Anspruch an eine verständliche Sprache immer weiter entfernen.

Wie geht es damit unseren Mitbürgern, die aus unterschiedlichen Gründen komplexe Satzbauten nicht mit der gleichen Leichtigkeit nehmen? Oder diejenigen, die gerade Deutsch lernen oder unsere Kinder in der Schule? Oder allen, denen es einfach nur auf die Nerven geht, weil sie gerade andere Sorgen haben?

Es kommt mir manchmal so vor, als wäre es in unserer Gesellschaft sehr viel mehr akzeptiert, den Dreisatz nicht zu beherrschen, als die Schwierigkeit, einen komplexen Satz nicht komplett erfassen zu können.

Wir müssen aufpassen, dass wir durch das „Durchgendern“ unserer Sprache, das eigentlich integrieren sollte, nicht einen Teil der Bevölkerung abhängen. Sprache kanndadurch noch mehr spalten als zu zuvor, wenn auch auf andere Weise. Dies läuft dem ursprünglichen Gedanken entgegen. Man wollte doch eigentlich mit der Idee des „Genderns“ erreichen, dass sich die alle Menschen einer Nation angesprochen fühlen und niemand sprachlich außen vor gelassen wird.

Sexus vs. Genus

Linguisten unterscheiden beim Geschlecht unter anderem nach dem biologischen (Sexus) und dem grammatikalischen Geschlecht (Genus), das mit dem Wort einhergeht. Beide müssen sich nicht entsprechen, sondern können sich auch widersprechen (z.B. Mädchen).

„Gendern“ ist dort wichtig, wo das biologische Geschlecht (Sexus) eine Rolle spielen kann, um Diskriminierungen zu vermeiden. Als ein Beispiel seien hier die Stellenausschreibungen genannt. In allen anderen Bereichen, wo aufgrund des Kontextes hervorgeht, dass Gender- oder Sexusmerkmale irrelevant sind, ist die Wahl des üblichen generischen Maskulinums zugunsten einer verständlichen Sprache meiner Ansicht nach akzeptabel. Wenn demnach ein Unternehmen unspezifisch von „Kunden“ spricht, kann und darf sich ausnahmslos jeder angesprochen fühlen.

Was wirklich zählt

Gelebte Gleichberechtigung und Toleranz miteinander über alle Lebensbereiche hinweg, vom Kindergarten über die Schule und das Berufsleben bis hin zum (beruflichen) Ruhestand. Sie bilden die Grundlage für die Funktion unserer Gesellschaft. Aus einer gelebten Gleichberechtigung kann Chancengleichheit erwachsen.

Wir sollten daher nicht müde werden, eine funktionierende, gelebte Gleichberechtigung immer wieder von allen Teilen unserer Gesellschaft einzufordern und uns nicht von der Diskussion über Formalien ablenken lassen.

„Form follows function”

Damit will auch ich es gut sein lassen, es gibt aktuell vordringlichere Themen.

Für den, der noch nicht genug hat:

Die demokratische Pflicht und das Sprachsystem I
Sprachreport Jg. 34 (2018) I Gisela Zifonun (PDF)

Wirtschafts Universität Wien I Hintergründiges zum Gendern (Video)

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